Anne Roth berichtet von der Dover Bay Secondary School - Nanaimo (British Columbia / Kanada)

Auch wenn mein Auslandsaufenthalt nun mittlerweile schon zwei Jahre zurückliegt, erinnere ich immer noch oft und sehr gerne daran. Für mich stand schon seit der 5. Klasse, als mir meine damalige Englischlehrerin von dieser Art von Auslandssemester erzählte, fest, dass ich diese Möglichkeit, ein fremdes Land und dessen Kultur näher kennenzulernen, unbedingt nutzen möchte.

Als ich dann in der 10. Klasse war, blieb nur noch die Frage, wohin soll die große Reise denn überhaupt gehen. Und diese Frage war auch gar nicht mal so leicht. Die Frage nach der passenden Organisation hatte ich da schon schneller geklärt. Durch meine Schule bin ich auf „Give“ gestoßen und habe dann auch des Öfteren mit Frau Lyra telefoniert. Sie hielt mir bis zuletzt die Möglichkeit offen, mich für Kanada (engl. Teil) oder Neuseeland zu entscheiden und war sehr geduldig mit mir.

Meine Entscheidung für Kanada war schließlich eine reine „Bauchentscheidung“. Ich habe es nicht bereut.
Nachdem ich mich schon einmal zu einem Land „durchgerungen“ hatte, kam noch eine nicht weniger wichtige Entscheidung auf mich zu. Jetzt musste ich mir noch meine „zukünftige Heimatstadt“ aussuchen. Ich entschied mich für die Kleinstadt Nanaimo auf Vancouver Island, da Vancouver Island zu den schönsten Gebieten ganz Kanadas gehört und außerdem konnte ich dort meinem geliebten Sport, dem Tennis, weiter nachgehen und dies war mir sehr wichtig.

Einige Monate vor meiner Abreise bekam ich dann auch endlich Post von Give und erfuhr endlich, wer meine Gastfamilie sein würde. Ich rief auch sofort dort an und sprach mit meiner zukünftigen „Hostmom“ und erfuhr, dass ich nicht die einzige Austauschschülerin sein würde. Meine Gastfamilie nahm gleich zwei Austauschschülerinnen auf und ich freute mich schon riesig drauf, sie alle kennenzulernen.

Die letzten Wochen vergingen wie im Fluge und dann war der Tag der Abreise auch schon gekommen. Einerseits war ich schon etwas wehmütig, meine richtige Familie nun für ein halbes Jahr nicht zu sehen, aber weinen konnte ich trotzdem nicht, denn es war schließlich meine Entscheidung und genau das, was ich mir immer gewünscht hatte. Ich bin meinen Eltern bis heute noch sehr dankbar, dass sie mir das ermöglicht haben, denn nicht jeder bekommt so eine Chance im Leben.

Von Düsseldorf startete ich meine lange Reise, die mich über Frankfurt, Toronto und Vancouver nach Nanaimo brachte. Ich hatte noch nie einen Transatlantikflug gemacht, aber habe ihn gut überstanden und war froh, als ich endlich in Nanaimo angekommen war. Mein Gastvater und meine Gastschwester holten mich am Flughafen ab und dann ging es ab nach Hause, wo mich dann meine Gastmutter und die 2. Austauschschülerin, eine Japanerin, empfingen. Wir plauderten noch kurz über meine Reise und ich bekam eine Hausführung, wonach ich dann todmüde ins Bett fiel.

Ich war sehr froh, dass ich in diese Gastfamilie gekommen war, denn sie waren alle sehr herzlich und offen zu mir. Ich fühlte mich direkt „pudelwohl“ und von Heimweh war keine Spur. Mit der Sprache hatte ich nie Probleme und meine Gastmutter meinte auch von Anfang an, dass sie noch nie eine Austauschschülerin mit solch guten Englischkenntnissen gehabt hätten.

Die Schule begann erst einige Tage nach meiner Ankunft. So hatte ich ein wenig Zeit, mich einzuleben.

Ich war sehr überrascht als ich in der Schule noch auf viele weitere Austauschschüler, traf. Mit den meisten verstand ich mich auf Anhieb sehr gut und fand es sehr schön, mit Leuten, die in derselben Situation waren, zu sprechen, allerdings hatte ich die Befürchtung, dass ein zu enger Kontakt mit anderen Deutschen den eigentlichen Sinn, seine Sprache zu verbessern, etwas in den Hintergrund stellt.

Kurse habe ich Englisch, Französisch, Spanisch und Sport belegt. Englisch war für mich klar, Französisch habe ich gewählt, damit ich es in dem halben Jahr nicht vergesse und Spanisch „musste“ ich wählen, da ich es in Deutschland auch gewählt hatte und somit blieb nur noch ein Fach zur freien Auswahl und da ich das große Sportangebot wahrnehmen wollte, entschied ich mich für Sport, auch wenn ich sicherlich noch gerne andere Fächer wie z.B. Foods einmal ausprobiert hätte, aber dies ging leider nicht.

Ich machte mir auch ein wenig Sorgen, dass ich mit einem halben Jahr ohne Mathe später Probleme haben würde, aber diese Sorgen waren unbegründet, denn man kommt eigentlich schnell wieder rein.

Was ich besonders positiv fand, war die Betreuung der „international students“ an der Schule. Wir hatten eine eigene Koordinatorin, die sich rund um die Uhr um uns kümmerte. Außerdem haben wir “internationals“ jeden Monat einen Ausflug zusammen gemacht. Wir waren z.B. alle zusammen Ski fahren oder in Vancouver auf Sightseeing-tour.

Mit den Kanadiern kam ich gut klar, allerdings empfand ich es als schwierig sich richtig mit den Kanadiern in der Schule anzufreunden. Sie stellten zwar jede Menge Fragen, aber ich hätte eigentlich gedacht, dass sie sich mehr für die Ausländer interessieren würden. Und so unternahm ich in meiner Freizeit bis auf wenige Ausnahmen, neben den schönen vielen Ausflügen mit meiner Gastfamilie, hauptsächlich etwas mit den anderen Deutschen. Positiv finde ich, dass es viel einfacher ist, eine solche Freundschaft zu pflegen. Wir haben uns in den letzten 2 Jahren nach unserem gemeinsamen Aufenthalt schon oft besucht und jetzt fahre ich mit einer sehr guten Freundin aus meiner Kanadazeit zusammen in Urlaub.

Während meines Aufenthalts machte ich auch eine weniger schöne Erfahrung. Meine Gasteltern trennten sich, da sie sich auseinander gelebt hatten. Zunächst sollte ich die Gastfamilie wechseln, allerdings blieb ich dann doch bei meiner Gastmutter und Gastschwester wohnen, da ich mich so gut mit meiner „Hostmom“ verstand und es von ihr aus auch total in Ordnung war, dass ich blieb. Zunächst wusste ich nicht, ob es die richtige Entscheidung war, aber nach einiger Zeit war mir klar, dass ich mit niemand anders noch einmal so ein gutes, freundschaftliches Verhältnis aufbauen könnte.

Am Ende meines Aufenthalts hat mich meine Mama dann abgeholt. Mit meiner Mama bin ich dann noch ein wenig rumgereist. Der Abschied von meiner Gastfamilie fiel mir ebenso wenig schwer wie der 6 Monaten vorher von meinen Eltern, da mir meine Gastmutter versprach, mich in Deutschland zu besuchen.

Letztes Jahr im Sommer (d.h. 1 ½ Jahre nach meinem Aufenthalt) kam es auch schon zu einem Wiedersehen, jedoch erneut auf kanadischem Boden, da ich mit meiner Familie vier Wochen Urlaub in BC/Alberta gemacht habe und dieses Jahr steht nun endlich der Gegenbesuch in Deutschland an. Ich freue mich schon riesig, sie alle wiederzusehen!

Alles in allem kann ich wohl guten Gewissen sagen, dass das halbe Jahr für mich eine wunderschöne Zeit meines Lebens mit vielen neuen Erfahrungen war und ich es sofort wieder tun würde.Ich plane während meines zukünftigen Studiums mein Auslandssemester erneut in Kanada machen.

 
Dein High School Aufenthalt - optimal mit GIVE