Felix Wiegand berichtet aus Kelowna (British Columbia / Kanada)

Seit ich fünf Jahre alt bin, spiele ich begeistert Eishockey. Was liegt da näher als ein Auslandsaufenthalt im eishockeyverrückten Kanada? Nach den ganzen formalen Vorbereitungen im Vorfeld, dem Kennenlernen der Gastfamilie via eMail verflogen die Tage bis zum Abflug im Nu.

 

Mit gemischten Gefühlen ging es dann nach Frankfurt zum Flughafen. Mit Übergepäck eingecheckt verabschiedete ich mich dann für die nächsten fünf Monate von meinen Eltern. Der Flug war zwar sehr lang aber das Umsteigen klappte ohne Probleme, sodass ich ziemlich übermüdet in Kelowna von meinen Gasteltern in Empfang genommen wurde. Neben John und Sonja, meinen Gasteltern, hatte ich noch eine kleine zwölfjährige Gastschwester, Taryn und einen großen Bruder Dylan, der aber schon studierte. In den ersten Tagen unternahmen wir viel zusammen, da die Schule noch nicht begonnen hatte. So lernten wir uns kennen und verstanden uns sehr gut.

 

Nun war auch schon der erste Schultag gekommen und mit Hilfe der besonders freundlichen und hilfsbereiten Mitschüler, fand ich mich problemlos in der Okanagan Mission Secondary School zurecht. Die Betreuung der International Students was außergewöhnlich herzlich und gut organisiert . Meine gewählten Kurse waren: English 10, Pre-Calc 11, Woodwork, Drama (aus Versehen ^^)  und natürlich Advanced Hockey Skills Academy. In den akademischen Fächern kam ich völlig problemlos zurecht, obwohl der Unterricht ganz anders ablief als ich es von meiner Schule zu Hause gewohnt war. Fast der ganze Unterrichtsstoff wurde selbstständig erarbeitet und es wurden viele neue Medien eingesetzt. In Drama beschäftigten wir uns mit kleineren Projekten und präsentierten sie. In Woodwork entstand in dem Semester in schöner Holztisch (den Air Canada leider nicht mitnehmen wollte) und ein schöner Holzlöffel für meine Mutter. Das Allerbeste an der Schule war allerdings das Eishockey. 2-3 mal in der Woche ging es während der Schulzeit für 2 Stunden in Capital News Center aufs Eis. Noch nie hatte ich so viele gute Trainer und so tolles Hockey Training wie in diesen fünf Monaten. Neben der Schule hatte ich mich im Vorfeld auch bei dem örtlichen Verband darum bemüht in einer Liga mitspielen zu können. Hier traf ich mich mit meinem Team abends und am Wochenende zum Training und zu Spielen. Die meisten meiner Freunde lernte ich so durch meine Eishockey Aktivitäten kennen. Da es in diesem Umfeld nur wenige Deutsche gab, sprach ich fast ausschließlich Englisch und kam immer besser mit der Sprache zurecht. Nach der Schule traf ich mich viel mit meinem besten Freund Easton, mit dem ich sowohl in der Acadamy als auch bei den Leafs (mein House Team) zusammen spielte. An drei Wochenenden nahmen wir neben der Liga an Turnieren teil. Es machte unglaublich viel Spass mit den Jungs unterwegs zu sein. Die Zeit verging viel zu schnell, schon stand Weihnachten vor der Tür. Mit John und einem anderen Nachbarn fuhren wir in die Berge, denn ich Kanada fällt man seinen Baum selber.

 

Da  John ebenfalls Eishockey spielt nahm er mich gerne auch mal mit zum „Old -Man-Hockey“ oder wir trafen uns mit seinen Freunden zum Pond Hockey auf dem Big White, einem grandiosen Skigebiet ganz in der Nähe.

Leider hab ich es hierher zum Snowboarden nur ein einziges Mal geschafft, aber dafür war es wenigstens wirklich großartig. Die Pisten, der Schnee, das Wetter, die Infrastruktur einfach unglaublich.

 

Mittlerweile fühlte ich mich hier in Kelowna wirklich zuhause und konnte gar nicht glauben das es schon Weihnachten war. Das Fest wurde mit viel Essen in der Familie und Besuchen bei Verwandten verbracht. Es gab kleine Geschenke von der Familie, auch ich hatte für alle etwas besorgt.

 

Sylvester war ich bei Easton zum Feiern und Sleepover eingeladen, ein toller Abend. Der letzte Monat stand bevor und in den Ferien machte ich einen Ausflug nach Vancouver, bei dem ich auch einfach nur überwältigt von dieser wahnsinnigen Stadt war. Ich besuchte das olympische Dorf, Granville Island, den Hafen, Chinatown und noch vieles mehr. Tolle Tage, aber die Rückkehr kam immer näher.

 

In der Schule wurden die Finals geschrieben, meine Ergebnisse waren durchaus zufriedenstellend, überall im 95% Bereich, damit konnte man sich zuhause sehen lassen. Die letzten Spiele der Leafs gewannen wir allesamt und schafften sogar den Einzug in die Playoffs, die ich aber leider nicht mehr mitspielen würde. Nun bereute ich, dass ich das Angebot meiner Eltern, das ganze Jahr zu bleiben nicht angenommen hatte. Zwar freute ich mich auch etwas auf zu Hause, hatte aber jetzt schon Heimweh nach Kanada, wenn ich an Deutschland dachte. Der Rückflug mit noch mehr Übergepäck war unspektakulär, zuhause war alles beim Alten und jeden Tag schreibe ich noch mit meinen Freunden trotz des großen Zeitunterschiedes. Im Moment planen wir ein Wiedersehen im Sommer, sowohl in Kelowna als auch bei mir Zuhause. Was war das für eine supertolle Zeit!

 

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