Isabel Schmidt berichtet von der Sutherland Secondary School - North Vancouver (British Columbia / Kanada)

Für mich war eigentlich immer klar, dass ich niemals einen Auslandsaufenthalt, während der Schulzeit machen wollte, weil mir ein halbes oder gar ein ganzes Jahr von zu Hause wegzugehen einfach zu lange erschien. Doch dann erfuhr ich durch eine Freundin, dass es auch möglich war, für drei Monate ins Ausland zu gehen. Das klang für mich perfekt, da ich gerne reise, mein Englisch verbessern wollte und dachte, dass mir das sehr auf dem Weg zum Erwachsenwerden helfen könnte. Ich entschied mich für Kanada, North Vancouver, weil mir von Anfang an klar war, dass ich in eine größere Stadt möchte. Doch zwei Wochen vor meiner geplanten Abreise wurde ich plötzlich krank. Es stellte sich heraus, dass ich Drüsenfieber hatte und somit wurden meine Kanadapläne erstmals so gut wie zerstört. Zum Glück war es dann möglich, dass ich zwei Wochen später als geplant nach Kanada fliegen konnte.

Ich kam somit erst an, als das Schuljahr schon angefangen hatte. Zum Glück hatte ich aber schon vorher E-Mail Kontakt mit meiner Gastmutter, was es mir erleichterte, da sie sehr nett war. Ich hatte nicht nur eine Gastmutter, sondern auch zwei andere Austauschschülerinnen als „Gastschwestern“. Eine Spanierin und eine Nordkoreanerin.  Sie waren das Beste, was mir passieren konnte. Am Anfang hat es mir vieles erleichtert, dass da noch zwei Mädchen waren, die in der gleichen Situation waren wie ich auch. In der Schule war es erstmals etwas chaotisch, da dort niemand informiert worden war, dass ich noch nicht angekommen war. Zum Glück war dann am ersten Tag direkt ein Treffen aller deutschen Austauschschüler meiner Schule und ich verabredete mich auch schon am selben Tag mit einer von ihnen. Mit der Zeit kam es einfach von selber, dass wir Austauschschüler(aus Spanien, Brasilien, Mexiko, Deutschland)  die Lunchtime immer zusammen verbrachten. Durch meine koreanische Gastschwester hatte ich dann auch ein wenig Kontakt zu Koreanern, die mit ihrer Familie nach Kanada gezogen waren. Auch mit einigen anderen Mitschülern verstand ich mich sehr gut. In der Schule hatte ich die Fächer Englisch, Mathe, Französisch und Photographie. In Französisch war es sehr interessant mitzubekommen, auf welchem Status die Kanadier stehen, obwohl in ihrem Land französisch die zweite Landessprache ist. Sie bewunderten mich immer um meine Aussprache und wie gut ich in Französisch war. Dabei bin ich in Deutschland nur eine ganz durchschnittliche Französischschülerin. Ich hatte durchweg nur Lehrerinnen, keine Lehrer und kam soweit mit allen sehr gut klar.

Was zu einer Umstellung für mich wurde, war z. B., dass in Kanada grundsätzlich nur abends warm gegessen wird. An meinem ersten Samstag wartete ich mittags vergeblich auf den Ruf meiner Gastmutter, dass das Essen fertig sei. Auch andere Kleinigkeiten sind natürlich anders, aber es gab nichts, an was man sich nicht hätte gewöhnen können. Meine Gastmutter kümmerte sich rührend um uns, wusch die Wäsche, machte uns immer ein super tolles Lunchpaket und hatte auf jede Frage eine Antwort. Und nicht zu vergessen ist natürlich auch, dass wir einen Hund hatten. Er lag allerdings den ganzen Tag nur irgendwo und schlief.

Nach einiger Zeit kam es dazu, dass wir vier Mädels waren, die sehr oft etwas zusammen unternahmen und auch in der Schule meistens zusammen waren. Natürlich habe ich weiterhin auch noch Sachen mit meinen beiden Gastschwester unternommen.

Meine Gastmutter besitzt eine Art Wohnwagen, der in der Nähe von Seattle in den USA in sozusagen einer Wohnwagensiedlung steht. Dadurch hatten wir das Gl|ck, dass wir in die USA kommen konnten. Wir waren dort für ein Wochenende und es waren ein paar sehr schöne Tage. Einige Wochen später hatten wir Austauschsch|ler dann auch noch mal die Möglichkeit, mit der Organisation in Kanada nach Seattle zu fahren. Somit war ich insgesamt zweimal in den USA. Auch ein Trip nach Whistler wurde angeboten und dort waren wir dann für zwei Tage. Wir waren Ski fahren und haben uns das Dorf angeguckt. Leider waren bei solchen Trips meistens fast nur Deutsche dabei, aber zum Gl|ck war unsere mexikanische Freundin noch dabei, weshalb wir dann doch hauptsächlich englisch gesprochen haben. Nach etwas mehr als der Hälfte meiner Zeit verließ uns dann schon die Spanierin, was die erste Zeit danach doch recht komisch war und wir vermissten sie alle sehr. Dann stand auch schon bald mein letzter Monat an, den ich eigentlich als den schönsten in Kanada bezeichnen würde. Mit den drei Mädels verstand ich mich wirklich super und wir haben sehr viel zusammen unternommen, waren fast täglich in Vancouver. Leider flog dann auch schon die erste von ihnen wieder nach Hause. Nach zwei Wochen war es für mich dann auch soweit. Eine Woche vor meiner Heimreise war die Vorfreude auf zu Hause plötzlich wie verflogen. Doch ich musste nun mal zurück nach Deutschland. Es war ein sehr trauriger Abschied, der aber mit Hoffnung auf Wiedersehen erfüllt wurde, da ich auf jeden Fall in den nächsten Jahren noch mal zurück nach Kanada kommen möchte. Zu Hause war ich dann auch froh, dass ich meinen Freund, meine Familie und meine Freunde endlich wiedersehen konnte. Und schon nach wenigen Tagen war eigentlich alles wieder beim Alten. Inzwischen ist es (fast), als wäre ich nie weggewesen. Doch die drei Monate werde ich nie vergessen. Sie waren etwas ganz besonderes, ich habe viele verschiedene und interessante Menschen kennengelernt und auch wenn einige, viele Kilometer entfernt, so etwas wie ein zweites Zuhause gefunden.

 

 
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