Karen Roth berichtet von der Maple Ridge Secondary School - Maple Ridge (British Columbia / Kanada)

Meine Zeit in Canada ist zwar jetzt schon 2 Jahre her, aber trotzdem möchte ich allen, die neugierig sind, über meine Erfahrungen dort erzählen.

Für mich war es zunächst nicht klar, ob ich überhaupt ins Ausland gehen wollte, da ich zum ersten G8-Jahrgang gehöre und somit erst 15 war. Doch dann Anfang des Jahres habe ich mich immer mehr mit dem Gedanken beschäftigt und mich schließlich dazu entschieden, ein halbes Jahr nach Canada zu gehen.

Für die Organisation und Planung haben wir uns an GIVE gewandt, da meine Schwester schon vor 5 Jahren ebenfalls einen Auslandsaufenthalt in Canada mit GIVE gemacht hatte.

Ich stand in regelmäßigem Kontakt mit Fr. Lyra. Ich hatte mich zwar schon für ein Gastland entschieden, aber das Besondere an Canada ist, dass man sich auch die Stadt und nach Möglichkeit auch die Schule aussuchen kann. Tja, und da fiel meine Wahl dann auf Maple Ridge in der Nähe von Vancouver. Die MRSS bietet als eine der wenigen Schulen auch ein French Immersion Programm (auf einem sehr hohen Niveau für Muttersprachler) an, wodurch ich nicht nur meine Englisch-, sondern auch meine Französischkenntnisse verbessern konnte.

Als mir dann meine zukünftige Gastfamilie zugeteilt wurde, stieg die Vorfreude natürlich umso mehr. Wir haben dann bis zu meinem Abflug Emails geschrieben und auch telefoniert – was ich jedem sehr empfehlen kann, um sich schon einmal kennenzulernen.

Am 1. September ging es dann auch endlich los. Zwar mit gemischten Gefühlen, da mir der Abschied von meiner Familie schwer fiel, aber auch einer großartigen Erwartung an meine Zeit in Canada stieg ich ins Flugzeug. Was die Hinreise ins Gastland mit allen Austauschschülern angeht, war ich wohl eine der „Erfahrensten“. Ich war schon 2007 einmal mit meiner Familie in Canada und wusste von meiner Schwester natürlich auch sehr viel. Dadurch war dies eigentlich kein Problem.

In Vancouver am Flughafen haben sich dann alle Austauschschüler, die nach Maple Ridge/ Pitt Meadows gingen, gesammelt und wir fuhren dann mit 2 typischen gelben „school busses“ nach Maple Ridge. Dort erwarteten unzählige Gastfamilien ihre zukünftigen Austauschschüler.

Die ersten paar Tage waren natürlich sehr aufregend, weil einfach irgendwie alles neu war. Man konnte sich erst einmal eingewöhnen und wir unternahmen mehrere Ausflüge zum Kanu fahren und nach Victoria (Vancouver Island), bevor die Schule los ging.

In der Schule hat man dann noch sehr viele neue Austauschschüler kennen gelernt. Die meisten waren auch aus Deutschland, aber einige kamen auch aus Mexiko, Spanien, Japan,... Insgesamt waren es ca. 100. Jeder musste sich natürlich auch erstmal darum kümmern, den richtigen Stundenplan zu bekommen. Es war jedoch kein Problem, noch einige Tage später, einen Kurs zu wechseln. Meine Fächer waren English 11, French Immersion 11, Spanish 11, PE 11, Cooking 11, Socials 11, Math 12 & Media Arts 11. Ich kann nur jedem empfehlen, auch mal ungewöhnliche Kurse zu belegen (in diesem School District hat man 8 Fächer das ganze Jahr über; in manchen Teilen Canadas sind es jedoch nur 4 für ein halbes Jahr), die man sonst so in Deutschland nicht hätte. Bei mir war das z.B. Media Arts, wo wir beispielsweise unsere eigenen Fotos entwickelt haben. Die Schule war generell recht einfach. Und mit seinen Englischkenntnissen braucht man sich auch keine Sorgen zu machen– wenn man irgendeine Frage hatte, wurde einem immer geholfen.

Am Anfang hatte ich in meiner Gastfamilie jedoch einen nicht so guten Start. Ich fühlte mich einfach nicht wohl in der Familie. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich die Familie wechseln wollte oder ob ich es nicht doch nochmal versuchen könnte. Wir unternahmen nicht gerade viel im Gegensatz zu Freunden von mir und unsere Interessen waren einfach sehr verschieden. Es passierte das, was ich eigentlich nicht wollte. Nach 3 Wochen wandte ich mich dann an den Homestay Coordinator vom School Board. Wir trafen uns erst einmal, um über meine derzeitige Situation zu reden und sie sagte mir, es sei meine alleinige Entscheidung und egal wie ich mich entscheiden würde, würde sie mich unterstützen. Und das tat sie auch. Nur ein paar Tage später hatte sie eine neue hostfamily gefunden, die sich gerade erst gemeldet hatte. Sie hatten vorher noch nie einen Austauschschüler gehabt. Daher mussten noch einige Formalitäten geklärt werden. In dieser Woche war ich dann aber schon einmal bei ihnen zu Besuch, um sie besser kennen zu lernen. Und dieses Mal stimmte die Chemie von Anfang an. 4 Wochen nach meiner Ankunft zog ich in eine sehr viel aktivere Familie mit meiner „hostmom“, meinem „hostdad“ und meinen 2 Gastschwestern. Sie waren alle sehr bemüht, mich direkt in die Famile zu integrieren und kamen sehr oft auf mich zu. Wir unternahmen viele Ausflüge zusammen, sie nahmen mich zu Geburtstagen der Familie mit und auch sonst war ich jetzt echt happy. Natürlich muss man sich aber auch einbringen und einfach mal seine Hilfe im Haushalt anbieten.

Aber auch sonst hat man viele neue Leute kennen gelernt. Für die „internationals“ wurde jeden Monat etwas besonderes (z.B. ein Ausflug nach Whistler) organisiert. Und auch wenn man sonst einfach mal nach Vancouver (ca. 1,5h mit Bus & Skytrain) mit Freunden fahren wollte, war das kein Problem. Weitere tolle Erlebnisse waren ein whale watching trip (unbedingt im September oder Oktober machen!) mit einer kolumbianischen Freundin von mir, ein Ausflug zum Windsurfen, Halloween, Thanksgiving,usw.

Für viele Kanadier ist es so normal geworden, mit Austauschschülern zusammen zur Schule zu gehen, dass sie zuerst alle sehr nett sind, aber dann oft nicht weiter an einem interessiert sind. Da heißt es einfach Eigeninitiative zu zeigen und offen auf andere Leute zuzugehen. Dies lernte ich vor allem, in meinen letzten Monaten und Wochen, da nach 3 Monaten schon nicht mehr ganz so viele Austauschschüler dort waren.

Um Leute kennen zu lernen, ist es natürlich eine gute Idee, einem Sportteam beizutreten. Ich wollte eigentlich einem Tennisclub (nicht von der Schule) beitreten und mir wurde auch versichert, dass dies in Maple Ridge möglich sei, aber in der Wintermonaten war dies leider nicht so, da es dort keine Halle gab. Dafür war ich aber bis zum Herbst im field hockey team der Schule. Danach endete die Saison und ich bin dafür öfters joggen gegangen.

Ansonsten war ich wirklich oft Ski fahren. Nicht nur an den Hausbergen von Vancouver (Cypress, Grouse & Seymour), sondern auch 2 Mal in Whistler und in Big White mit meiner hostfamily.

Ein weiteres Highlight war für mich auch über Weihnachten und Silvester zusammen mit meiner Gastfamilie in das Ferienhaus der Eltern in der Nähe von Kamloops zu fahren. Natürlich vermisst man seine Familie an Weihnachten besonders, aber ich hatte einfach so viel Spaß mit meiner 2. Familie dort. Besonders schön war es für mich auch, weil dort ziemlich viel Schnee lag, was ich mit meinem Skiurlaub über Weihnachten sonst verband. Wir waren zwar nicht Ski fahren, dafür aber iceskating auf einem zugefrorenen See, snowshoeing, Schlitten und Schneemobil fahren und wir holten unseren eigenen Weihnachtsbaum direkt aus dem Wald. An Silvester gab es sogar ein kleines Feuerwerk, was in Canada sonst nicht gerade üblich ist.

Am Ende meines Aufenthaltes war ich einerseits traurig, „schon“ wieder zurück fliegen zu müssen, andererseits freute ich mich auf ein Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden.

Ein Mitglied meiner Gastfamilie habe ich dann auch sehr bald wieder gesehen. 5 Tage nach meiner Rückkehr nach Deutschland überraschte mich mein hostdad, der geschäftlich in Deutschland zu tun hatte, mit seinem Besuch.

Auch wenn man mittlerweile ja immer besser über Skype etc. in Kontakt bleiben kann, plane ich nächstes Jahr wieder mit meiner Familie nach Canada zu fliegen, um meine Gastfamilie zu besuchen.

Für mich war dieses halbe Jahr einfach etwas ganz besonderes, weil man wirklich auf sich allein gestellt ist und gleichzeitig so viel erleben kann. Ich bin echt froh darüber, dass ich in dieser Zeit auch noch häufig in BC unterwegs war, sodass man auch noch so viel anderes außer Maple Ridge gesehen hat.

Diese Erfahrungen kann einem keiner mehr nehmen. Mich persönlich freut es sehr, dass ich nicht nur mich persönlich weiter entwickelt habe, sondern dass ich auch meiner Gastfamilie eine neue Möglichkeit in ihrem Leben gezeigt habe, einen Austauschschüler aus einem anderen Land kennenzulernen. Ich war die erste und sie haben bereits eine neue Austauschschülerin aufgenommen. Manchmal sehne ich mich zurück und wünsche  mir, ich könnte alles nochmal erleben und noch mehr genießen.

Dieses halbe Jahr werde ich noch lange in guter Erinnerung behalten und jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Man muss es einfach selbst erlebt haben!