Philipp Heuermann berichtet von der Mark R. Isfeld Secondary School - Courtenay (British Columbia / Kanada)

Ich bin Philipp und war für 5 Monate in Comox auf Vancouver Island. Fünf Monate scheinen zunächst eine lange Zeit zu sein, doch in Wirklichkeit ist alles so schnell wieder vorbei, wie es angefangen hat.

Schon seit meiner Kindheit haben mich andere Länder und Kulturen fasziniert, sodass es für mich klar war, einen Schüleraustausch in ein anderes Land machen zu wollen.

Alles begann im Sommer, als ich das erste Mal ausgiebig recherchierte. Im Herbst war ich auf einer Informationsmesse in Münster, wo ich mich dann für GIVE als Organisation entschied. Anfangs favorisierte ich Neuseeland, dennoch habe ich mich letztendlich für Kanada und Comox entschieden, da mich die Nähe zu den Bergen, zum Meer, sowie die positiven Berichte, die ich von dort hörte, überzeugt haben.

Nach meiner Bewerbung und der Aufnahme in das Programm bekam ich etliche Informationsbriefe von GIVE, was die Vorfreude immer größer werden ließ.

Es gab einiges zu Erledigen, beispielsweise Arztbesuche, was aber einfach dazugehört und kein großes Problem darstellt, weil die Vorfreude so noch größer wird. Meine Gastfamilie habe ich in den Sommerferien 2008 ‚‚erhalten’’, ungefähr 2 Monate vor meiner Abreise. Ich war sehr erleichtert, da viele andere schon eine Gastfamilie hatten, ich aber bisher noch nicht. Nichtsdestotrotz sollte man sich darüber keine Gedanken machen, da für jeden eine passende Familie gefunden wird.

Wie sich dann herausstellen sollte, hatte ich einen absoluten Glückstreffer mit meiner Familie gelandet. Meine Gasteltern waren beide erst 24 Jahre alt, womit sie sicherlich zu den jüngsten Gasteltern ‚‚ever’’ gehörten. Sie hatten eine 1 1/2 jährige Tochter.

Der Flug von Frankfurt nach Vancouver verlief ohne Komplikationen und mit dem Anschlussflug nach Comox gab es auch keine Probleme, bis auf die Tatsache, dass ich aufgrund der Größe des Flugzeugs nur einen Koffer mit nach Comox nehmen durfte, den ich aber nach 2 Tagen abholen konnte.

In Comox angekommen fuhr ich mit meinem Gastvater zum Haus, welches in Cumberland lag, einer kleinen Stadt etwas außerhalb von Comox.

Zunächst war ich etwas unsicher mit dem Englisch, was sich allerdings nach den ersten Unterhaltungen sofort gelegt hat.

An meinen ersten Wochenenden unternahmen wir gleich einige Dinge, wie zum Beispiel eine Fahrt in die Hauptstadt von BC, Victoria, eine Klettertour (inklusive Übernachtung unter freiem Himmel) auf den Comox Glacier oder ein ausgiebiges Bad im Comox Lake.

Das kanadische Schulsystem mit den ‚‚nur’’ 4 Fächern ist sicherlich erstmal gewöhnungsbedürftig. Ich belegte Biologie, Englisch, Spanisch und Fitness/Sport. Ich muss sagen, dass man zu den Lehrern ein wesentliches besseres Verhältnis hat als in Deutschland, da sie sehr nett sind und sich weit über den Unterricht hinaus für die Schüler interessieren. Zusätzlich zum Schulalltag war ich im Ski- und im Cross Country Running Team. In den Schulteams lässt sich am Besten Kontakt zu den Kanadiern aufnehmen und somit Anschluß finden. Es finden etliche Ausflüge zu Wettkämpfen statt, was ich euch wärmstens empfehlen kann, da man so viele Orte in BC kennen lernt, die man mit der Gastfamilie sicherlich nicht besuchen würde. Zur Schule kam ich mit dem Bus, der für die Strecke in etwa 15 Minuten gebraucht hat.

An meiner Schule waren ungefähr 15 Austauschschüler, sodass Austauschschüler nicht wirklich eine Besonderheit darstellen. Dies bedeutet, dass man selber unbedingt auf andere Leute zugehen sollte. Man hat zwar zunächst einen ‚‚Fremdenbonus’’ , sollte sich aber nicht allzu sehr auf die Popularität als Austauschschüler verlassen. Wenn man sich traut und kommunikativ ist, findet man schnell viele Freunde.

Durch das junge Alter meiner Gasteltern und deren Freunde waren diese gleichzeitig meine besten Freunde, mit denen ich die meiste Zeit verbrachte. So habe ich sehr viele Dinge mit ihnen und ihren Freunden unternommen, beispielsweise spielten wir in einer Dodgeballliga (ähnlich wie Völkerball, sehr zu empfehlen).

In meiner Zeit habe ich viel erlebt und gesehen, so wurde von dem Schuldistrikt Whalewatching angeboten. Mit einer Gruppe aus der Schule bestiegen wir einen 2200 Meter hohen Berg, an dessen Ausläufern wir 2 Nächte zelteten. Bei diesem Ausflug kamen wir in den Kontakt mit Bären, was sehr spannend war.

Mit meiner Gastfamilie besuchte ich auch Vancouver, außerdem hospitierten wir für ein Wochenende auf einer Insel bei Tofino.

Die Krönung sollte dann allerdings über Weihnachten folgen, da der Bruder meiner Gastmutter in Hawaii geheiratet hat. Daher flog die ganze Familie  über Weihnachten für 10 Tage nach Hawaii. Wir flogen von Seattle, sodass ich auch zum ersten Mal in meinem Leben amerikanischen Boden betrat. Es war überragend, Weihnachten auf Hawaii bei 30 Grad am Strand verbringen zu dürfen und zu Surfen.

Im Januar war ich sehr viel Skifahren, da man mit dem Mount Washington das Skigebiet regelrecht ‚‚vor der Haustür’’ hat.

Nach der Schule war ich meist ziemlich müde, da ich immer erst gegen 4 zu Hause war, wo es dann fast schon ‚‚Dinner’’ gab. Ich muss sagen, dass mir das Essen dort fast besser gefallen hat als in Deutschland, da es vielfältiger ist und Einflüsse aus verschiedenen Kulturen zusammenkommen. Das lag natürlich auch an meiner Gastfamilie, die entgegen den Vorurteilen gegen die Nordamerikanische Kultur nie regelmäßig Fast-Food aß, sondern immer Wert auf gesunde Ernährung legte.

Am Abend wurde es zum Ritual, einen Film auszuleihen und ein bestimmtes Würfelspiel zu spielen. Oft gingen wir auch einfach auf einen Spaziergang und machten Fotos von der Natur.

Das Verhältnis zu meiner Gastfamilie war zusammenfassend schlicht überragend. Es stimmte einfach alles und wir hatten in den 5 Monaten nicht eine einzige ernste Meinungsverschiedenheit.

Der Abschied fiel beiden Seiten dementsprechend schwer. Die Zeit ging definitiv viel zu schnell vorüber! Ich kann allen, die auch austauschmäßig aktiv sind, nur empfehlen, jeden Moment zu genießen!

Zurück in Deutschland wurde ich direkt wieder in den Alltag integriert und alles nahm seinen geregelten Lauf, was fast schade war, da es so schien, als wäre ich nie weg gewesen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Zeit in Kanada die Beste meines Lebens war und ich sehr viel gelernt habe.

Ich werde auf jeden Fall bald wiederkommen und meine Gasteltern und Freunde besuchen.

 Ich kann euch nur empfehlen, aktiv in den Schulteams zu sein, mutig andere Leute anzusprechen um schnell Freunde zu finden und, ganz wichtig, keine Vorurteile zu haben.

 

Viel Spaß !