Elisabeth Schröder berichtet vom Otumoetai College - Tauranga (Nordinsel / Neuseeland)

Ein Mann namens Kupe machte sich vor vielen Jahrhunderten mit seinem Kanu von Polynesien aus auf die Suche nach einer neuen Heimat für sein Volk - und er fand Aotearoa, "the land of the long white cloud".

So lautet die Legende von der Entdeckung Neuseelands, wie die Maoris sie überliefern.

Fest steht: Der Mensch, der als erster neuseeländischen Boden betreten hat, muss sich im Paradies geglaubt haben.

Kilometerlange weiße Sandstrände, azurblaues Wasser, sanfte grüne Hügel, üppige Regenwälder mit meterhohen Farnen, reißende Flüsse, riesige Sanddünen, hohe, schneebedeckte Berge, Vulkane, stille Seen, kahle Berghänge, Geysire und geothermale Aktivitäten, die Seen in allen Farben des Regenbogens hervorbringen, erwarteten ihn dort.

Ein so vielfältiges, facettenreiches Paradies, dass man sich niemals satt sehen kann an all den Wundern.

Und in diesem Paradies durfte ich 6 Monate meines jungen Lebens verbringen.

Am 6. Juli 2006 ließ ich meine Familie und meinen Freund am Düsseldorfer Flughafen zurück und stürzte mich ins Abenteuer...

In Auckland wurde ich nach guten 24 Stunden Flugzeit (Pausen nicht mitgerechnet!) am Flughafen von meiner vorübergehenden Gastmutter Denise, ihrem Sohn Matthew und ihrer Gastschülerin Debbi, die selbst erst einen Tag vor mir angekommen war, herzlich in Empfang genommen.

Mich erwartete eine Woche in Auckland, mit 1,1 Millionen Einwohnern die größte Stadt Neuseelands, in der ich und eine große Gruppe von anderen Neuseeland-Greenhorns unseren "preparation course" absolvieren sollten.

In dieser Woche machte ich einige wichtige Entdeckungen:

1. Zumindest in Auckland bekommt man kaum eins von den 40 Millionen neuseeländischen Schafen zu Gesicht (man beachte: in Neuseeland gibt es nur 4 Millionen Menschen, es kommen also 10 Schafe auf eine Person!)

2. In Auckland pulsiert das Leben!

3. Neuseeland ist ein Paradies für Shopping-Fanatiker! Ein paar Schlagwörter: Billabong, Roxy, Rusty, Volcom, Supré, Glassons...

4. "Putiputiharakeke" ist kein Lockruf, sondern die "flax flower", Neuseelandflachs.

Diese Erfahrungen machte ich dank des "prep course", der aus der "language school" am Morgen und spannenden Ausflügen am Nachmittag bestand. So erklommen wir den Sky Tower (natürlich im Aufzug), besuchten das Aquarium "Kelly Tarlton's" und ein Pacific-Islands-Festival, auf dem wir uns im Tanzen und Putiputiharakeke-Flechten versuchten und "Hangi" probierten, das traditionelle Maori-Essen, das unter der Erde gegart wird.

In der language school lernten wir eine Menge über die Eigenarten und Traditionen der Kiwis, wie sich die Neuseeländer selbst nennen.

Perfekt vorbereitet und voller Neugier auf meine "richtige" Gastfamilie bestieg ich nach einer Woche mit drei weiteren Mädels eine winzige Propeller-Maschine für nur 16 Passagiere, die uns nach Tauranga bringen sollte.

Wir trauten dem wackelnden, klappernden Ding nicht so recht, doch als wir unter uns Tauranga und Mt. Maunganui entdeckten, interessierte es uns nicht mehr, wie wir nach unten kommen würden, Hauptsache, wir wären endlich da!

Das erste, was uns auffiel, als wir das Flugzeug verließen, war die Wärme.

Die Sonne strahlte und die Temperaturen waren angenehm.

Klar, ist doch normal im Juli, mag man denken, aber halt, bitte zu beachten, dass wir uns in der südlichen Hemisphäre befanden! In Neuseeland war Winter! Ich Blondschopf hatte nach 3 Tagen im winterlichen Tauranga meinen ersten Sonnenbrand...

Am winzigen Flughafen von Tauranga erwartete uns ein Trüppchen von Menschen, und eine davon sollte für 6 Monate meine Mutter sein...

Ich hatte noch kein Foto von ihr gesehen und nur zwei E-Mails bekommen und war dementsprechend nervös. Was, wenn sie gar nicht da war?

Doch schon stellte mir Joan, "home stay coordinator" meiner zukünftigen Schule, meine hostmum Michelle vor, eine junge, wunderhübsche Frau, die mich strahlend begrüßte und in die Arme schloss.

Ich wusste von der ersten Minute an, dass ich mit ihr einen 6-er im Lotto gewonnen hatte...

Das sollte ich kurze Zeit später von allem, was mich erwartete, denken, doch vorher lernte ich die erste Lektion im Leben eines Kiwis: Linksverkehr! Ganz selbstverständlich wollte ich auf der rechten Seite ins Auto meiner hostmum steigen, bis die mich lachend fragte: "You want to drive?"

Das Eis war gebrochen und wir fuhren nach Hause.

Nach Hause?

Ja, nach Hause. Das kleine Häuschen, in dem meine hostmum mit ihren beiden Kindern Summer (8) und Levi (6) und der Katze Lady lebte, sollte sehr schnell zu meinem Zuhause werden, ebenso wie die Familie zu meiner Familie.

Es gab weder Zentralheizung noch Doppelglasfenster noch ein Bügeleisen, gewaschen wurde kalt, geduscht höchstens 10 Minuten, es gab kein Brot, nur labbrigen Toast und in 6 Monaten 3 Kakerlaken im Haus, aber das gehört nunmal alles zu Neuseeland.

Ich habe sehr schnell gelernt, dass die Kiwis nicht viel Wert auf materielle Dinge legen, meine hostmum sagte sogar einmal zu mir, sie habe lieber wenig Geld und dafür viel Zeit für Kinder, Freunde und Sport als viel Geld und keine Zeit.

Diese Einstellung macht die, finde ich, zauberhaft sympathische Lebenseinstellung der Kiwis aus.

Das Zauberwort heißt "easy-going".

Bloß keinen Stress! Familie, Natur und Sport sind viel wichtiger als Job und Geld. Entspannt, locker, freundlich und aufgeschlossen sind die Kiwis. Selbst an der Supermarktkasse wird man mit "Gidday, how's it going?" begrüßt.

Ich fühlte mich so wohl, dass ich meine hostmum bald "Mum" nannte, meine kleinen Gastgeschwister abgöttisch liebte und Kiwi-Ausdrücke wie "sweet as" nach dem ersten Hören sofort in mein Vokabular einbaute.

Die Schule in Neuseeland war Neuland für mich:

Das Otumoetai College war für uns "internationals" eher Campus als Schule.

Naja, 1800 Schüler müssen ja auch irgendwo Platz finden, nicht wahr?

Jede Fächerrichtung hat seinen eigenen Block, was praktisch ist, denn wenn auf deinem Stundenplan "history" steht und du keinen Schimmer hast, wohin du dich wenden sollst, weißt du immerhin, dass du zum "science"-block musst.

Und wenn die Orientierung ganz hopps gegangen ist, ist nach dem Weg fragen die beste Methode, Kontakte zu den Kiwis zu knüpfen.

Trotzdem war die Größe des Geländes für mich neu und spannend.

Besonders faszinierte mich das sogenannte "field", der riesige Sportplatz, auf dem ungefähr 3 Fußballfelder Platz finden.

Außerdem gibt es zwei Sporthallen, einen Tennisplatz, einen Außensportplatz, einen Mountainbiketrack, eine Bibliothek, zwei oder drei große Computerräume, eine Werkstatt, ein Schwimmbad... viel zu entdecken!

Auf die "form class", die nur 20 Minuten dauert und in der die "notices" verlesen werden (notices = 5 Minuten, Nichts tun = 15 Minuten), folgen fünf Stunden Unterricht à 60 Minuten, dazwischen ein "intervall" und die "lunch time".

In den Sommermonaten strömten die Schüler während der lunch time in Scharen zum field und nutzten die 50 Minuten zum Sonnen oder Rugby spielen.

Um 15.20 ist man erlöst, wobei "erlöst" nicht das richtige Wort ist.

Schule in Neuseeland macht Spaß. Zumindest wenn man ein kleiner fauler international ist wie ich, nichts für die Schule tut und die Schulzeit für "socialising" nutzt. ;)

"International students" wie ich sind übrigens am Oats überhaupt nichts ungewöhnliches.

Mit mir waren gut 15 andere Deutsche dort, ungefähr genauso viele Brasilianer, ein paar Italiener, vereinzelt andere Nationalitäten und mindestens 20 oder 30 Japaner, Chinesen und Koreaner, die durchaus auch mal für ganze 3 Jahre in Neuseeland bei ihren Gastfamilien blieben.

Ein kunterbunter Nationen-Cocktail also, sehr spannend, sehr interessant, aber natürlich versucht man, vor allem Freundschaften zu Kiwis aufzubauen - deswegen ist man ja in Neuseeland. 

Das Ungewohnteste an der Schule war die Schuluniform.

Zumindest am Anfang. Nach zwei Wochen gehörte sie einfach dazu - und man musste sich keine Gedanken mehr darüber machen, was am zur Schule anziehen will.

Außerdem wird die Schuluniform mit Stolz getragen (naja, von den meisten zumindest).

"School spirit" wird in Neuseeland ganz groß geschrieben.

Für den nötigen Zusammenhalt sorgen auf jeden Fall die unzähligen Sportteams, die nicht nur zahlreich, sondern am Oats (oder auch OTC, Kurzform für Otumoetai College, das hält ja auf Dauer niemand aus!) auch noch außerordentlich erfolgreich sind und von den Mitschülern kräftig angefeuert werden.

Das gilt natürlich besonders für Rugby, die Nationalsportart der Kiwis.

Ich habe während meiner Oats-Zeit mein Faible für diesen Sport entdeckt: Ein Teamsport, schnell, spannend, spektakulär und brutal. ...Natürlich habe ich nur zugeguckt. ;) 

Wenn das 1. Rugby team spielte, versammelte sich die halbe Schule, in den Oats-Farben geschminkt, zum Anfeuern.

Das hatte ich noch nicht erlebt! 

Natürlich musste außer Gastfamilie und Schule auch die Umgebung erkundet werden.

Mit den quietschgelben "Bay Hoppers", den Linienbussen, gelangt man bis sieben Uhr Abends überallhin (später allerdings nirgendwo mehr hin...).

So machten wir internationals, bis wir genügend Kiwi-Freunde mit Autos hatten, per Bus Tauranga und Mt. Maunganui unsicher. 

Die Devonport Road in Tauranga, das Einkaufszentrum Bayfair und die Haupteinkaufsstraße von Mt.Maunganui lassen Shopper-Herzen höher schlagen.

"The Strand" in Tga (=Tauranga) ist voll von tollen Kneipen, in die wir leider nicht reindurften. Aber abends dort entlang schlendern war fast genauso gut. Die Musik der Livebands dringt auch bis nach draußen, außerdem sitzt bei schönem Wetter sowieso die Hälfte der Gäste draußen...

Besonders amüsant war für uns "De Bier Haus" - eine bayrische Kneipe in Neuseeland!

Was kann man noch tun in Tauranga?

Man kann stundenlang bei Starbucks sitzen, Sushi oder Indisch oder Chinesisch essen, über die train bridge schlendern, sich an den Pier setzen...

Das highlight jedoch ist der Mount und der Ocean Beach...

Mt. Maunganui ist ein kreisrunder Vulkankegel, der sich am Ende einer Landzunge über Tauranga erhebt.

Steht man auf seiner Spitze, hat man einen atemberaubenden Blick auf das Meer zu beiden Seiten der Landzunge - rechts ganz still, da es eine fast geschlossene Bucht ist, links brandet der pazifische Ozean an den weißen Sandstrand, der sich kilometerweit bis zum Horizont erstreckt.

Wozu lädt ein solcher Strand wohl ein? Natürlich, zum Surfen!

Während in den Wintermonaten die Profis selbst den höchsten Wellen trotzen, machten wir, als es wärmer wurde, unsere ersten Surfversuche. Was für ein Triumph, das erste Mal tatsächlich zu stehen und auf der Welle bis zum Strand zu gleiten!

Beim Sonnen danach bloß nicht die Sonnencreme vergessen. Das böse Ozonloch hat mir einige feuerrote Sonnebrände beschert!

Als die ersten Kiwi-Kontakte geknüpft waren, ging es los mit der Feierei... Kiwis feiern gerne. Innerhalb der kürzesten Zeit lernten wir Unmengen von Leuten kennen. Wir feierten also wie unsere Schulfreunde und hatten riesigen Spaß.

Die Zeit in Neuseeland ging unheimlich schnell vorbei. Ich hatte das Gefühl, gerade erst richtig anzufangen, als das Schuljahr auch schon vorbei war und wir in die Ferien gingen. Das bedeutete für mich, dass ich in drei Wochen wieder nach Deutschland fliegen würde. Ich setzte alles daran, meinen Aufenthalt noch bis Januar zu verlängern, aber die Schule wollte die Verantwortung nicht übernehmen, weil während der langen Ferien niemand in der Schule ist, der "aufpassen" kann.

Also Abschied nehmen? Von wegen. Ich wollte schließlich noch etwas von dem Land sehen, in dem ich ein halbes Jahr gelebt hatte!

Klar, ich kannte Tauranga und Umgebung, hatte mit meiner hostfamily einen Ausflüge nach Whakatani, Rotorua und Taupo gemacht, aber das reichte nicht.

Ich buchte also mit einer deutschen Freundin eine Rundreise um die Nordinsel bei der Reisegesellschaft "Flying Kiwi".

Los ging es in Auckland, wo uns der unübersehbare Flying Kiwi Bus einsammelte, Richtung Norden.

Bei "Flying Kiwi" wird tagsüber mit dem Bus von Ziel zu Ziel gefahren und abends gecampt. Trotz der unterschiedlicher Nationalitäten und Altersunterschiede verstanden sich alle prächtig, inklusive unserer Reiseführer. Da macht auch das gemeinsame Kochen, Spülen und Zelte aufbauen Spaß.

Bevor wir die Bay of Islands erreichten, bewunderten wir in Kawakawa die Hundertwasser-Toiletten. Ein schläfriges Dorf mit genau einer Straße, und mittendrin, unverwechselbar, öffentliche Toiletten, designed by Hundertwasser. Hilarious!

In der Bay of Islands erwartete uns der erste Highlight: Dolphin Swimming! Mit dem Boot fuhren wir raus in die Bay und tatsächlich, da waren Delphine. So schnell es geht - und es geht nicht schnell - zwängten wir uns in wet suits und Schwimmflossen, um ins Wasser zu kommen. Leider waren wir ungefähr 25 Leute und 3 Delfine, die wohl bald die Schnauze voll hatten und davonschwammen. Es war also kein richtiges Schwimmen mit Delfinen, aber allein, dass ein Delfin nur einen Meter unter mir hertauchte, war mir das Geld wert!

Wir fuhren mit dem Boot durch das berühmte "hole in the rock" und hatten erneut Glück: Eine Delfinschule mit 60 oder 70 Tieren begleitete uns gut eine halbe Stunde lang!

Abends sahen wir im Treaty House in Waitangi unter kunstvoll geschnitzen und verzierten Balken eine Show, in der Maori uns mit Gesang und Tanz die Geschichte des Treaty of Waitangi "erzählten".

Die nächste Station war Opononi am nächsten Morgen: Sandboarding stand auf dem Programm! Bäuchlings auf body boards sausten wir die riesigen Sanddünen hinunter, mit genügend Schwung auch direkt weiter ins Wasser. Manch einer versuchte es auch im Stehen und purzelte die Dünen runter. Macht nix, denn den Sand hatten nachher alle ausnahmslos überall!

Es ging direkt weiter zum Gott des Waldes, "Tane Mahuta". Es handelt sich dabei um einen gigantischen Kauri tree mitten im Urwald. beim Anblick des 50 m hohen Baumes mit 14 m Umfang blieb mir die Spucke weg!

Unterwegs nach Rotorua fuhren wir durch Paeroa, den Ort, wo das Nationalgetränk der Kiwis, "L&P" (kurz für Lemon & Paeroa) seinen Ursprung hat.

In Rotorua erwartete uns wahrer Extremsport: White water rafting. In Schlauchbooten ging es einen Fluss hinab, durch Stromschnellen und Wasserfälle hinunter. Einer davon war sage und schreibe 7 m hoch! Adrenalin pur.

Was man in Rotorua nicht versäumen darf, ist ein abendliches Bad in den heißen Schwefelflüssen. Es stinkt zwar bestialisch, ist aber ungeheuer schön.

Am darauffolgenden Tag schauten wir uns DIE Attraktion Rotoruas an: Den Lady Knox Geysir und das Thermalgebiet Wai-o-Tapu, wo einem heiße Quellen und Seen in allen Regenbogenfarben in Staunen versetzen.

Das nächste Highlight war "Tongariro Crossing". In einer achtstündigen Wanderung überquerten wir Mt. Tongariro und kraxelten dabei bis auf eine Höhe von 1900 m, wo ich wegen des starken Windes fast in den "Red Crater" segelte. Das faszinierendste an der Wanderung war der Anblick der strahlend blauen Seen in einer ansonsten braunen Ödnis, die plötzlich mitten auf dem Berg auftauchen.

Nach einem leider sehr kurzen Aufenthalt in Wellington waren wir zwei Tage später in Waitomo, wo wir uns erneut in wet suits ins wasser wagten, diesmal allerdings unter der Erde. Beim black water rafting wurden wir in Stollen geführt, die bis zu 80 m unter der Erdoberfläche liegen. Die Reise durch enge Gänge und unterirdische Flüsse bescherte uns den unvergesslichen Anblick eines Sternenhimmels unter der Erde: Abertausende von Glühwürmchen blinken an den Wänden der Höhlen.

Leider endete die "Flying Kiwi" tour noch am selben Tag wieder in Auckland und ließ bei mir hunderte von wundervollen, spannenden Eindrücken zurück und die Gewissheit, dass Neuseeland das schönste Land der Welt ist.

Das Abschiednehmen fiel schwer, wir wären am liebsten im Bus geblieben und auch noch um die Südinsel getourt, doch gleichzeitig zog es mich zurück nach Tauranga, wo ich meine letzten Tage in vollen Zügen genießen wollte.

Der Abschied war schrecklich. Der Abschied von Familie und Freund damals, vor 6 Monaten, kam mir dagegen vor wie nichts. Ich wollte partout nicht zurück nach Deutschland, ich wollte in diesem wunderschönen, spannenden Land bei meiner geliebten hostfamily und meinen Freunden bleiben und doch musste ich am 16. Dezember 2006 "goodbye" sagen. Ich habe geheult wie ein Schlosshund! 

Die ersten Monate zurück in Deutschland - ich wollte es lange Zeit nicht mehr "zu Hause" nennen - waren schlimm und voller Fernweh und die Eingewöhnung fiel mir sehr schwer, weil ich mich weigerte, "anzukommen". Ich wollte wieder zurück und habe das mehr als deutlich gemacht. Ich glaube, ich habe viele meiner Freunde in der Zeit verletzt, so stark war der Wunsch, bei der anderen Familie, bei den anderen Freunden, in dem anderen Leben zu sein. 

Dazu kam, dass niemand meine Erfahrungen teilen wollte oder konnte. Natürlich fragten alle "Na, wie wars?", aber wie soll man in einer Antwort auf diese Frage die Erlebnisse von 6 Monaten vermitteln? Gar nicht. Außerdem will es auch kaum jemand wissen, zumindest nicht im Detail. Und selbst wenn sich mal jemand die Mühe gemacht hat, mir länger zuzuhören, konnte er doch nie wirklich verstehen, was ich erlebt hatte und was es für mich bedeutete.

Deshalb: Das Gehen ist viel leichter, als man denkt, das Wiederkommen dafür umso schwerer. Zumindest war das meine Erfahrung.

Um ehrlich zu sein, habe ich heute noch Fernweh, sobald eine auch noch so kleine Erinnerung aufkommt.

Die Zeit in Neuseeland hatte mich so sehr geprägt, dass ich unbedingt eine Erinnerung daran mit nach Deutschland nehmen wollte. Natürlich hatte ich mich längst mit Erinnerungsstücken eingedeckt, aber ich wollte etwas besonderes. Deswegen ließ ich mir an meinem allerletzten Tag in Neuseeland ein Tattoo stechen. Nun ziert ein kleiner Silverfern, Wahrzeichen Neuseelands, meinen Knöchel und erinnert mich jeden Tag an die beste Zeit meines Lebens.