Eva K. Kohse berichtet aus Dunedin (Neuseeland)

Es ist etwa eineinhalb Jahre her, dass die ersten Vorbereitungen für meine Reise nach Neuseeland begannen.
Sobald die Kataloge für das Schuljahr zu haben waren, fing ich an, mich bei mehreren Organisationen zu bewerben, denn ich wollte sichergehen, einen Platz für Neuseeland zu bekommen.
Ich wurde zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, und weil mir das von GIVE am besten gefiel, entschied ich mich mit dieser Organisation zu fahren.
Als ein paar Wochen nach dem Gespräch die Nachricht kam, ich sei angenommen, wurde es so langsam ernst! Es mussten Formalitäten geklärt werden, dann war da noch das Vorbereitungstreffen in Berlin und schließlich das gespannte Warten auf die Gastfamilie!
Währenddessen rückte mein Traum eines Halbjahrs in Dunedin immer näher…7 Wochen…6 Wochen…die Eltern werden langsam nervös…5 Wochen…Endlich ist die Gastfamilie gefunden!...4 Wochen…3 Wochen…nach und nach geht auch mir auf, dass ich demnächst einfach weg bin…2 Wochen…1 Woche…die letzten Tage mit Freunden und Familie…6, 5, 4, 3, 2, 1 – der Tag des Abflugs war gekommen! Eine kurze Fahrt zum Flughafen, dann der schnelle und glücklicherweise nicht tränenreiche Abschied von meinen Eltern und meinem Bruder – bevor ich mich versah, saß ich auch schon im Flugzeug, Destination: Frankfurt.
Meine Gefühle: ein Wirrwarr aus ein wenig Abschiedsschmerz, Aufregung und einem großen Haufen Vorfreude auf das kommende!
Viel Zeit mich damit auseinanderzusetzen hatte ich allerdings nicht, denn da landete ich schon in Frankfurt, wo ich auf eine große Masse von 150 anderen Sprachschülern mit dem Ziel Neuseeland traf. Zusammen mit ihnen stieg ich in das Flugzeug nach Singapur, dort angekommen in den Flug nach Auckland. Völlig müde und überdreht mussten die Südinsel-Leute (zu denen ich gehörte) dich dann noch in den Miniflieger nach Wellington quetschen, denn dort sollte unsere Vorbereitungswoche stattfinden.
Im Flugzeug hatte ich schon einige neue Leute kennen gelernt, die demnächst auf meine Schule gehen würden, so waren wir am Anfang nicht allein. Das war gut, denn der Kulturschock, den wir abbekamen, war nicht so einfach zu überstehen…
Die Vorbereitungswoche bleibt mir in Erinnerung als einer meiner schönsten Erlebnisse in Neuseeland (neben Bungyjumpen), es gab vieles spannendes zu erfahren und vor allem neue Bekanntschaften zu schließen, aus denen sich zum Teil gute Freundschaften entwickelten.
Leider dauerte unser Aufenthalt in der kultigen Hauptstadt nur eine Woche. Noch ein kurzer Flug und ich war am eigentlichen Ziel meiner Träume: Dunedin! Meine Gastfamilie zu treffen war echt aufregend. Die Eltern, Julie und Andrew, waren super nett und meine beiden Gastbrüder, Josh und Caleb (damals 5 und 3, jetzt 6 und 4), mir auf Anhieb sympathisch. Dunedin präsentierte sich mir als kühl, aber sonnig und sah einfach nur wunderbar aus – mein Traum war wahr geworden!
Diese Aussage hinterfragte ich am selben Abend noch einmal, nämlich als ich frierend und mit ca. drei Pullovern und zwei paar Socken an in einem riesigen Bett mit dünner Decke lag und wehmütig an mein Federbett von zuhause dachte. Meine Gastfamilie hatte zwar ein wunderschönes großes und neues Haus, aber (wie bei fast allen Neuseeländern) weder Zentralheizung noch Doppelverglasung!
Der nächste Tag war mein erster Schultag in Neuseeland. Für mich und meine deutschen Freunden von der Vorbereitungswoche mussten natürlich erst einmal passende Uniformen gefunden werden, was mit sehr viel Anprobieren und noch mehr Gelächter aufgrund der ungewohnten Kleidung verbunden war. Irgendwann waren alle ausgestattet, und so begann unsere Schulzeit an der LPHS!
Zu erst war es schwierig, sich in dem verwirrenden Gebäudekomplex zurechtzufinden, und auch der Unterricht war nicht immer einfach zu verstehen. Aber wir gewöhnten uns schnell ein, nicht zuletzt wegen des großen Entgegenkommens vonseiten der Neuseeländischen Schüler, die uns wirklich herzlich willkommen hießen.
Nun begann der Alltag. Nach der Schule in die Stadt, ins Kino mit Freunden oder Shoppen, danach gegen 18:00 Uhr nach Hause zum Essen (Die Küche meiner Gastmutter war zwar meistens nicht besonders gesund, aber lecker). Gegen Abend noch schnell zu meiner Freundin, die in der gleichen Straße wohnte wie ich, ansonsten den Tag im hauseigenen Fitnessstudio oder (leider viel zu oft) zusammen mit meiner Familie vor dem Fernseher ausklingen lassen.
Die Wochen zogen dahin. So langsam konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, jemals woanders zu leben! Ich hatte viele liebe Freunde gefunden, die Schule war inzwischen auch easy und bei meiner Gastfamilie zählte ich als fünftes Familienmitglied. Zahlreiche lustige (und einige nicht so lustige) Partys, zwei Snowboardreisen nach Wanaka und Queenstown, die Schulexams, bei denen alle Schüler (nicht nur wir Internationals) Schiffbruch begangen – das Leben in Neuseeland war echt spannend!
Natürlich konnte nicht immer alles gut gehen, ich hatte auch mal Stress mit meiner Familie, war krank oder hatte Heimweh (Das aber sehr selten!), dann war es in der Schule zwischendurch auch mal nicht mehr sooo einfach (Solo-Performances, anzufertigende Theaterstücke und Kompositionen, Chemietests…) und so weiter. Aber in einem halben Jahr kann man ja nicht von seinem Leben erwarten, dass es sich immer nur von seiner Schokoladenseite zeigt!
Hatte ich am Anfang noch gedacht, sechs Monate wären eine lange Zeit, war ich ziemlich überrascht, als plötzlich nur noch ein paar Wochen Dunedin über waren. Die landesweiten Exams standen an und da wir „Ausländer“ nicht mitschreiben mussten, bestanden meine letzten drei Wochen Freiheit aus zwei schönen (aber anstrengenden) Wandertrips mit Freunden um Queenstown und Invercargill, spät aufstehen, Faulenzen in der Sonne, ins Kino gehen, Reitausflügen machen und das Leben zu genießen.
Doch alles geht bekanntlich einmal zu Ende. Plötzlich standen meine Eltern und mein Bruder schon vor der Tür um mich abzuholen und mit mir noch drei Wochen Ferien in Neuseeland zu verbringen. Der Abschied von meinen Freunden und meiner Gastfamilie war furchtbar! Auch dauerte es ein paar Tage bis ich mich wieder an den Gedanken gewöhnt hatte, wieder mit meiner deutschen Familie zu leben (zusammengequetscht in einem Wohnmobil ist das gar nicht so einfach). Bald war allerdings alles (fast) wieder beim alten und wir genossen drei tolle Wochen, in denen wir beide Inseln von der Nordspitze bis in den tiefen Süden bereisten, Bungyjumpen gingen (nur mein Bruder und ich), im Pazifik schwammen, Whale Watching machten und noch vieles, vieles mehr. Es war eine tolle Gelegenheit, meinen Eltern Neuseeland zu zeigen, und ich fand es toll, dass sie meine Gastfamilie und meine Freunde kennen gelernt haben, weil ich bestimmt nicht in der Lage gewesen wäre, ihnen alles nur mit Fotos und Erzählungen zu veranschaulichen!
Leider hatte die Zeit auch diesmal keine Gnade mit mir. Das verrückte Weihnachten, dass wir mit etlicher ultraleicht-Christbaumdeko (weniger Gewicht fürs Gepäck) Miniweihnachtsbaum und viel Humor auf dem Campingplatz feierten, ebenso wie die langweiligste Sylvesterparty unseres Lebens, bei der wir alle um fünf nach zwölf einschliefen, waren mit atemberaubender Geschwindigkeit an uns vorübergezogen. Mein Abschied von Neuseeland nahte!
Schon wieder ging alles viel zu schnell, wir gaben unser geliehenes Wohnmobil ab, stiegen in den Flieger nach Singapur und es dauerte nicht lange, da sah ich den letzten Rest der Südinsel aus dem Fenster verschwinden. Wir landeten bald darauf in Singapur, verbrachten dort noch zwei Tage in unerträglicher Tropenhitze (die meiste Zeit haben wir uns in den Swimmingpool unseres Hotels geflüchtet) und danach hieß es schon wieder Abschiednehmen! Es ging nach Frankfurt und dann nach Bremen, dort holten wir unser Auto ab und ab ging’s nach Hause.
Der allererste Abend zurück in Deutschland war nicht schön. Die Autos fuhren auf der falschen Straßenseite, mein Zimmer sah komisch aus, mein Bett war unbequem und alle haben mich genervt. Ich wollte sofort wieder nach Neuseeland zurück!
Besser wurde es, als ich am übernächsten Tag meine alten Freunde wiedersah und in die Schule ging. Es stellte sich heraus, dass alle immer noch genauso waren wie vorher, meine beste Freundin und ich haben den ganzen Tag nur geredet und alle wollten natürlich wissen, wie es war.
Seitdem denke ich zwar manchmal noch an meine Zeit in Dunedin, an meine Freunde, die immer noch dort sind, und wie es wohl meiner Gastfamilie geht… Ansonsten ist hier alles wieder beim alten, ich bin trotz allem froh wieder in Deutschland zu sein!


***Don’t cry because it’s over – smile because it happened!***

Eva Kohse, 07.07.-16.12. in Dunedin, 2 Terms auf der Logan Park High School
 
Dein High School Aufenthalt - optimal mit GIVE