Sebastian Newrzella berichtet vom Newlands College - Newlands, Wellington (Nordinsel / Neuseeland)

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Hi, ich bin Sebastian und genauso war es bei mir auch.
Mein Cousin brachte mich auf die Idee doch für ein halbes Jahr nach Neuseeland zu gehen und dann habe ich einfach mal eine Broschüre bestellt. Auf einmal war alles arrangiert und ich saß im Flugzeug nach Neuseeland. Ich konnte immer noch nicht realisieren, dass ich jetzt für ein ganzes halbes Jahr weg sein würde.

In Wellington angekommen war alles wie im Traum: Müde, Winter und alle sprechen Englisch. Ich war total verunsichert, hatte aber keine großen Erwartungen. Meine Gasfamilie holte mich ab und zusammen mit Sibylle, Stuart und den beiden Kindern Jonathan (10) und Sean (8) gings in Richtung zu Hause. Nach 20 Minuten Autofahrt und meinen ersten Englischversuchen kamen wir in Khandallah, einem kleinen Vorort von Wellington, an und ich wurde sofort von Jonathan gefragt, ob mir Khandallah gefalle. Ich war total perplex und konnte nicht antworten. Dann wurde mir gleich mein Zimmer gezeigt und ich hab mich häuslich eingerichtet. Ich hatte es sehr gemütlich mit einem Doppelbett und einem eigenen Bett im 1. Stock. Nachdem ich den Abend ohne Einschlafen überstanden hatte und ins Bett fiel, schlief ich sofort in einen tiefen Schlaf.

Nächster Morgen. Ich wurde geweckt durch ein sich unter mir bewegendes Bett. Schließlich fand ich durch einen Blick unter mein Bett heraus, dass Sean sich mit Händen und Füßen von unten gegen das Bett drückte und so versuchte mich aufzuwecken. Ich wusste erst mal nicht wie ich reagieren sollte. Erstens kannte ich die Kultur noch nicht und zweitens konnte ich auch noch kein fließendes Englisch, das auch in solchen Situationen noch flüssig ist. Also stammelte ich irgendwas und irgendwie verstand mich Sean dann und verschwand nach unten. Nach ungefähr einem Monat konnte ich dann alle Familienmitglieder einschätzen und wusste auch, wie ich mich verständlich machen konnte. Wir, dass heißt alle Internationals, die in Wellington oder auf der Südinsel zur Schule gingen, hatten in der ersten Woche einen Preparation Course, in dem uns die Stadt Wellington und die Kultur der Neuseeländer näher gebracht wurde.

Dann kam der erste Schultag. Ich hatte mit meinem Cousin verabredet, dass ich ihn vor der Schule abhole, damit wir uns dann zusammen in der Schule verirren können.

Da die Schule um 8.45 am anfängt, ich aber die Bahn und den Bus nehmen musste, musste ich wie gewohnt früh aufstehen. Zusammen sind wir dann zur Schule gelaufen und wurden dort gleich am Sekretariat an International Lehrer weitergeleitet und alles ohne Verirren. Ok, wir fielen etwas auf, da wir keine Schuluniform anhatten, aber schon gleich am nächsten Tag hatten wir dann die Gelegenheit eine Schuluniform zu kaufen (unsere war ein blauer Pullover und eine graue Hose).

Die Schule hatte zwei Lehrerinnen, die für Internationals zuständig waren, eine für zu Hause (nur für welche, die ohne Organisation gebucht hatten) und eine für schulische Angelegenheiten. Wir waren zu dieser Zeit 5 Deutsche und ein Vietnamese. Jeder von uns hat dann einen Buddy zugeteilt bekommen, mit dem wir dann in die Kurse gehen sollten und der uns auch sonst alles gezeigt hat, bis wir unsere eigenen Kurse gewählt hatten und uns auskannten.

Nach 4-5 Tagen haben wir dann unsere Kurse gewählt und konnten nach 1 ½ Wochen unsere eigenen Kurse besuchen. Ich hatte Biologie (da ich in Deutschland Biologie Neigungskurs gewählt habe), Mathe, Englisch (hatte ich beides von der Schule in Deutschland vorgeschrieben bekommen), Französisch (da ich in Deutschland Französisch habe und der Französischunterricht in Neuseeland total gechillt war) und Media Studies und Information Management (reine Interessenswahl). Falls du nichts vorgeschrieben bekommst, wähle einfach das, was dich am meisten interessiert und am Ausgefallensten ist, d.h. was du in Deutschland nie wählen werden kannst. Ich fand heraus, dass die Schule allgemein leichter ist als in Deutschland, aber für mich manchmal nicht unbedingt verständlicher. Wir Deutsche kamen in die 12. Klasse, obwohl wir in Deutschland in der 11. waren. Trotzdem hatten wir den Stoff, den die dort grad gemacht hatten, schon in der 10. durchgenommen.

Ich wurde von meinem Buddy sofort in der ersten Pause seiner Clique vorgestellt und ich war erst einmal sehr zurückhaltend. Nach Wochen kannte ich dann die Gewohnheiten und die einzelnen Typen in der Clique und musste feststellen, dass die Neuseeländer auch in der 12. Klasse noch sehr kindisch sein können. Sie sind sehr, sehr nett und man ist auch sehr schnell integriert und akzeptiert mit allen Vor- und Nachteilen, jedoch zählen dann auch „ fremden Rucksack mit Schloss an Stange fest schließen und dann verstecken und gucken wie die Person reagiert“ zur Tagesordnung, jedoch habe ich mich schnell daran gewöhnt und mich auch teilweise angepasst. :P Weiterhin ist auch die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ganz anders als in Deutschland. Da die Lehrer den Schülern nicht sehr viele Noten geben müssen, vor allem keine mündlichen, wird der Lehrer deswegen nicht als „Feind“ angesehen. Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich einen Lehrer mit ein paar anderen Zwölfern zusammen Haggy Sack hab spielen sehen. Auch als wir eine Arbeit geschrieben haben und der Lehrer für 10 Minuten mal weg war und dabei nicht abgeguckt wurde, hab ich gedacht ich wäre im falschen Film.

Mit der Clique haben mein Cousin und ich dann viel am Wochenende unternommen, weil es unter der Woche schlecht ging, da wir um 3.10 pm Schule aus hatten und danach noch Hausaufgaben machen mussten. Wir sind dann sehr oft mit dem Zug oder dem Bus in die City gefahren und waren im Kino (gibt es viele davon), in Gamezones, Golfen und Paintballing (hatte mein 10 Jahre alter Hostbrother auch schon gespielt!). Viele sind auch immer mit dem Auto gefahren, da man in Neuseeland den Führerschein schon ab 15 machen kann, durfte ich aber von der Organisation aus nicht. Internet gab es auch nicht so wirklich. Zwar standen in der Schule sehr eingeschränkt nutzbare Computer mit Internet zur Verfügung, jedoch mussten wir für größere Angelegenheiten wie E-Mail, Upload und ICQ immer in ein Internetcafé gehen, da ich nur eine Modemverbindung und mein Cousin gar kein Internet in seiner Hostfamily hatte.

Aber so nach ca. 3 Monaten ist dann auch der Reiz des ganzen Neuen wieder weg und ich bin wieder in den täglichen Trott reingekommen, den ich von zu Hause sooo vermisst hatte. Genauso habe ich überhaupt nicht mehr an meine Familie in Deutschland gedacht, da die ja am ganz anderen Ende der Welt waren und ich ja ein ganz anderes Leben gelebt habe.

Genauso plötzlich wie ich in Neuseeland angekommen war, genauso schnell sind dann auch die letzten 3 Monate vergangen und schon war ich zurück in Deutschland und musste wieder über ganz andere Sachen nachdenken. Das ist im Nachhinein sehr schade und deswegen schreibe ich auch das hier zur Erinnerung für mich und als Information für dich.

Alles in Allem finde ich, dass die Neuseeländer total nette Leute sind, im Gegensatz zu uns miesgelaunten, verkniffenen Deutschen, und ich wäre sofort noch ein zweites halbes Jahr geblieben, wenn da nicht noch die Schule in Deutschland gewesen wäre (wieder zurück, musste ich ne Menge nachholen und mir das büffeln erst mal wieder angewöhnen).

 

Fotos zu diesem Bericht

Dein High School Aufenthalt - optimal mit GIVE
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