Julia Stein berichtet vom Nayland College - Nelson (Südinsel / Neuseeland)

Neuseeland – 3 Monate am ‚anderen Ende der Welt’

Mein Name ist Julia Stein, Schülerin der Klasse 10b, und ich bin vor etwas mehr als einem halben Jahr von meinem 3-monatigen Aufenthalt in Neuseeland zurückgekehrt.

Wie kommt man auf die Idee, an’s andere Ende der Welt zu fliegen? Dieser Frage musste ich mich häufig stellen, muss mir jedoch eingestehen, dass ich bis heute keine eindeutige Antwort geben kann.

Vor knapp einem Jahr entschied ich mich, einen Auslandsaufenthalt in Angriff zu nehmen. Bedingt durch G8 (und die Sorgen meiner Eltern) kam für mich nur ein Aufenthalt von 3 Monaten in Frage. Kanada und Neuseeland standen zur Auswahl und nach einer kurzen Bedenkzeit entschied ich mich schließlich, für das mir nur aus ‚Herr der Ringe’ bekannte Land.

Am 9.Juli war es endlich soweit: Nach einer 40-stündigen Reise über Singapur und Auckland, kam ich erschöpft aber glücklich  am 11.Juli in der Hauptstadt Wellington an. Zusammen mit einer anderen Deutschen verbrachte ich eine Woche in einer so genannten „Preparation Homestay Family“. Vormittags hatten wir zusammen mit anderen Teilnehmern der Organisation GIVE eine Art Vorbereitungskurs. Die Nachmittage verbrachten wir mit verschiedenen Aktivitäten wie Rock Climbing oder einer Tour durch die Filmstudios von Herr der Ringe.

Nach einer Woche flog ich dann endlich weiter nach Nelson, einer Kleinstadt im Norden der Südinsel. Die 55.000- Einwohnerstadt sollte nun für knapp 3 Monate meine neue Heimat. Am Flughafen wurde ich herzlich von meiner Hostmum Rachael und meinen beiden ‚Brüdern’ Max (9) und Jackson (18 Monate) begrüßt. Ich war von Anfang an begeistert. Meine Gastfamilie, zu der auch noch Adam, mein Hostdad gehörte, hat mich so freundlich aufgenommen und gleich am ersten Tag, versuchte Max mir (leider vergeblich) sämtliche Rugbyregeln (der Nationalsport Neuseelands) nahezulegen.

In meinem Prospekt über Neuseeland wird Nelson als „sonnigster Ort Neuseelands“ beschrieben. Dies kann ich nur bestätigen! Ich habe noch nie einen so sonnigen Ort gesehen, denn, obwohl es Winter war, hatten wir durchschnittlich 15°C und einen strahlend blauen Himmel.

Meine erste Woche in Nelson war sehr schön. Meine Gastfamilie zeigte mir die nähere Umgebung und auch den nahegelegenen Tahunanui-Strand, einen der schönsten Strände, die ich je gesehen habe. Als dann die Schule angefangen hatte, wurde es sogar noch besser! Mit 1700 Schülern und 150 Austauschschülern aus aller Welt, ist das Nayland College eine der größten Schulen in Neuseeland. Ringa-Pakia…!, so fängt der Haka an, ein typischer maorischer Kriegstanz, und so fing auch mein erster Schultag an. Denn mit uns wurde auch der neue Direktor, Mr. Rex Smith, „eingeschult“ und diese Zeremonie folgt einer strikten Reihenfolge, zu der auch der berühmte Maoritanz zählt. Da ich in Year 12 eingeteilt wurde, musste ich nicht die sonst übliche Schuluniform tragen. Sich in dem großen Gebäudekomplex, bestehend aus vielen, vielen Klassenräumen, Holz- und Metallwerkstatt, Dunkelkammer, 5 Computerräumen, „Maorie-Kirche“, 2 Sporthallen, Schwimmbad, 2 Kochstudios, etc. zurechtzufinden war anfangs nicht immer einfach, aber es gab immer einen netten Mitschüler der mir bereitwillig meinen Klassenraum zeigte. Der Schulunterricht beginnt morgens um 9 Uhr. Die ersten 15 Minuten gibt es eine „Assembly“, in der die Anwesenheit aller Schüler kontrolliert wird. Danach beginnt der Unterricht, der bis nachmittags um 15.00 Uhr geht. Die große Fächerauswahl an der Schule war fantastisch. Meine Pflichtfächer waren Mathematik und Englisch. Die restlichen 4 Fächer durfte ich frei wählen. Ich entschied mich für Marine Science (Meeresbiologie), Hospitality (Kochen), Photography und Outdoor Education.

Durch letzteres wurde mir in der 6ten Woche ein einmaliger Ausflug in den Kahurangi Nationalpark, im Norden der Südinsel ermöglicht. 3 Tage lang wanderten wir durch die atemberaubende Natur Neuseelands und ich bin mir sicher, dass ich dieses Erlebnis nie wieder vergessen werde!

Besonders begeistert war ich von der Mentalität der Kiwis. Egal wo man hinkommt, überall wird man mit einem freundlichen „Hey, how is it goin’?“, begrüßt. Auch der Schulunterricht ist viel relaxter als hier in Deutschland. Spontane Bootsausflüge in Marine Science? Teamarbeit bei Klassenarbeiten? Alles ganz normal dort, und uns Austauschschülern kam es wie ein Traum vor. Der größte Unterschied zum deutschen Unterricht ist jedoch, dass die Lehrer sich viel mehr Zeit nehmen, auf die Probleme jedes einzelnen Schülers einzugehen. Hat jemand ein bestimmtes Thema nicht verstanden, geht der Lehrer es so lange mit ihm durch, bist er sich völlig sicher fühlt. Dies war besonders wichtig, vor den Examina, die alle Schüler einmal im Halbjahr schreiben müssen. Das Examen wird fast wie unsere Abiturprüfungen durchgeführt, jedoch gibt es nur 3 verschiedene Noten: nicht bestanden, bestanden und bestanden mit Auszeichnung. Dass ich meinen Englisch Aufsatz ‚nicht ganz’ so hervorragend wie die Kiwis schreiben würde, war von Anfang an klar, aber mein Mathe Examen habe ich leicht bestanden.

Durch die Vielzahl von Austauschschülern war es echt schwer Anschluss an die Kiwis zu finden, doch es gilt: Hartnäckigkeit wird belohnt! Und so hatte ich nach einem Monat sehr viele neue Freunde gefunden, mit denen ich noch immer in regem Kontakt stehe. Der Abschied nach 3 Monaten ist mir sehr schwer gefallen, da ich meine Familie, meine Freunde aus aller Welt und Neuseeland im Allgemeinen so in mein Herz geschlossen hatte! Ich kann nur sagen, dass die Entscheidung, das Abenteuer NEW ZEALAND zu wagen, die bisher beste in meinem Leben war und ich kann nur jedem ans Herz legen, das Gleiche zu tun!

 
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